Familienrecht

Online-Scheidung

Es war einmal vor langer Zeit, da mussten Menschen noch das Haus verlassen, um Dinge zu erwerben. Man konnte diese Dinge dann gründlich anschauen, anhören, anfassen, schmecken oder daran riechen. Der moderne Mensch jedoch lebt in der Welt von Zalando, Ebay und Amazon. Das ist praktisch und geht schnell, aber mit Ausnahme eines zweidimensionalen Bildes bekommen unsere Sinne keine Informationen mehr.

 

Der zeitgemäße Mensch verlässt sich nun auch bei der Partnerwahl oft nicht mehr auf seine fünf Sinne. Man sucht sich seinen Partner online aus, quasi bereits auf Herz und Nieren getestet. Läuft’s dann gut, sind die meisten zwar noch bereit den Bund fürs Leben in der Wirklichkeit zu schließen, eine online Hochzeit gibt es bisher nämlich noch nicht. Aber klappt’s dann längerfristig doch nicht mit der großen Liebe, stellt sich immer wieder die Frage:

 

Komme ich online aus dieser Situation wieder heraus?

 

Sie müssen in Ihrem Computer nur bei einer entsprechenden Internet-Suchmaschine die Begriffe „Scheidung“ und „online“ eingeben und Sie werden staunen, wie viel Sie da finden werden. Natürlich werden auf diesen Internetseiten durchaus seriöser Anwälte die angeblichen Vorteile der online-Scheidung deutlich herausgehoben. An vorderster Stelle wird immer genannt, dass Sie hierdurch Zeit und Kosten sparen. Aber, um auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben: alle Anwälte rechnen nach dem sogenannten Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) ab und die Höhe der abzurechnenden Gebühren liegt nicht in unserem Ermessen, sondern ist gesetzlich festgelegt. Sobald also das Gericht den sogenannten Streitwert der Scheidung festgelegt hat, bemessen sich demnach die Gerichts- und Anwaltskosten nach diesem Streitwert und – egal, zu welchem Anwalt Sie gehen und auch egal, ob Sie diesen persönlich mit Ihrem Anliegen aufsuchen oder lieber anonym in der Deckung bleiben wollen - die Kosten sind immer gleich hoch.  Bei einer online-Scheidung sparen Sie lediglich die Benzinkosten für das Erstgespräch mit Ihrem Anwalt! Der eigentliche Scheidungstermin findet immer vor dem zuständigen Familiengericht statt und Sie werden dort zusammen mit Ihrem Ehepartner zumindest ein einziges Mal leibhaftig erscheinen müssen. Und dort treffen Sie dann erstmals auf einen völlig wildfremden Anwalt, der sich Ihrer höchstpersönlichen Scheidung annimmt.

 

Sollten Sie einen Anwalt zunächst außergerichtlich beauftragen, um vorab im Zusammenhang mit der Trennung stehende Fragen zu regeln, kann es Ihnen passieren, dass Sie für einen online-Anwalt sogar höhere Gebühren zahlen müssen als für einen vor Ort ansässigen. Für das außergerichtliche Tätigwerden sieht das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz nämlich sogenannte Rahmengebühren in einer Spanne von 0,5 bis 2,5 vor, innerhalb derer sich der Anwalt mit seiner Rechnung bewegen darf. Ein Anwalt vor Ort wird im Normalfall die vom Gesetzgeber festgelegte sogenannte Mittelgebühr mit 1,3 in Rechnung stellen. Online-Anwälte rechnen aber oft am oberen Gebührenrahmen ab und begründen dies damit, dass der E-Mail-Verkehr für den Anwalt oft mehr Zeit und einen höheren Verwaltungsaufwand in Anspruch nimmt als wenn der Mandant mit seinen ganzen Unterlagen bei ihm in der Kanzlei erscheint und sich der Anwalt gleich die Informationen verschaffen kann, die er benötigt. Die Erfahrung zeigt daher, dass sich online-Anwälte zwar im Rahmen des legal Möglichen bewegen, aber oft höhere Gebührensätze in Rechnung stellen, ohne dass dies dem Rechtssuchenden überhaupt bewusst wird. Bei der Inanspruchnahme eines online-Anwalts können sich die außergerichtlichen Kosten daher fast verdoppeln und der Mandant, dem dies ja in der Regel nicht bekannt ist, glaubt am Ende sogar noch, er hätte die Scheidung zum „Schnäppchen-Preis“ bekommen!

 

Viele meinen, dass Scheidungen nun einmal teuer sind, und manche glauben sogar, sie könnten sich eine Scheidung überhaupt nicht leisten.

 

Dies ist so nicht richtig. Die Kosten einer Scheidung sind grundsätzlich abhängig vom zusammengerechneten Nettoverdienst beider Eheleute für drei Monate. Dieser Betrag bildet den sogenannten Streitwert. Hinzu kommt noch ein Streitwert für den in der Regel vor Gericht durchzuführenden Versorgungsausgleich, den das Gericht am Ende des Scheidungsverfahrens festsetzt und den der Anwalt im Vorfeld noch nicht einzuschätzen vermag. Grundsätzlich gilt allerdings: Bei Geringverdienern sind die Scheidungskosten niedriger als bei Verdienern der Spitzenklasse. Die Anwaltsgebühren für die Scheidung eines Durchschnittsverdieners dürften bei etwa 1.500 bis 2.000 € liegen. Sollte allerdings die gerichtliche Klärung weiterer Punkte notwendig sein wie die Frage nach Unterhalt oder Zugewinnausgleich, kann es dann aber richtig teuer werden. Um diese weiteren Kosten zu sparen, ist es ratsam, sich außergerichtlich mit dem Ehepartner über diese Punkte vorab zu einigen. Auch hier stehen Anwälte natürlich beratend zur Seite.

 

Kosten können auch gespart werden, wenn nur ein Ehepartner einen Anwalt beauftragt und eine sogenannte „einvernehmliche Scheidung“ durchgeführt wird.

 

Dies bedeutet, ein Ehepartner lässt über seinen Anwalt bei Gericht den Scheidungsantrag stellen, der andere Ehepartner stimmt diesem vor Gericht zu und braucht hierfür keinen eigenen Anwalt. Es fallen dann statt für zwei Anwälte nur für einen Anwalt Kosten an, die sich die Ehepartner dann teilen können, wenn sie wollen.

 

Bei Geringverdienern besteht die Möglichkeit Verfahrenskostenhilfe bei Gericht zu beantragen.

 

Der Anwalt hat hierfür den erforderlichen Vordruck in der Kanzlei und berät Sie dahingehend, welche Unterlagen Sie beifügen müssen. Haben beide Ehepartner nur ein geringes Einkommen, können auch beide Partner Verfahrenskostenhilfe und die Beiordnung eines eigenen Anwalts beantragen. Dann bekommen beide Anwälte ihre Gebühren von der Staatskasse erstattet.

 

Auch eine wirkliche Einsparung von Zeit dürfte es bei einer online-Scheidung nicht geben. Es sind nun einmal bestimmte Formalien in einer gewissen Reihenfolge einzuhalten. Insbesondere ist im Vorhinein nicht abschätzbar wie lange der Rentenversicherungsträger für die Ermittlung der auf die Ehezeit entfallenden Rentenanwartschaften benötigt. Auf die Dauer des eigentlichen Scheidungsverfahrens bei Gericht hat der Anwalt daher kaum einen Einfluss, auch der online-Anwalt nicht. Die Beauftragung einer Internet-Kanzlei lohnt sich daher nicht wirklich.

 

Ein guter Anwalt hört zu!

 

Ein Mensch, der Ihnen anstelle eines Computers gegenüber sitzt, ist gerne bereit, sich auch einmal Erlebnisse anzuhören, die mit der rechtlichen Seite der Scheidung nicht in unmittelbaren Zusammenhang stehen. Oft werden hier sogar sehr nette Gespräche geführt und Sie bekommen Tipps die Ihnen bei der Bewältigung weiterer Fragen im Zusammenhang mit der Scheidung weiterhelfen können.

 

Ganz ehrlich: Sie können sich natürlich online an mich wenden und mir den Auftrag erteilen Ihre Scheidung durchzuführen, meine E-Mail-Adresse steht auf meiner Internetseite. Ich würde mich aber noch mehr freuen Sie persönlich kennen zu lernen.

 

 

Susanne Kaiser

Rechtsanwältin in Wendelstein

Aus der Rechtsprechung