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Ferienarbeit und Praktikum: Was Schüler und Eltern wissen sollten


Ferienjobs sind eine ideale Möglichkeit, das oft zu knappe Taschengeld ein wenig aufzubessern. Darüber hinaus ist es auch reizvoll, einmal das Berufsleben kennen zu lernen. Ein guter Zeitpunkt, sich um einen geeigneten Ferienarbeitsplatz für die Sommerferien zu kümmern, ist das zeitige Frühjahr. In den meisten Firmen steht die Urlaubsplanung schon fest, so dass auch der Bedarf an Aushilfen bereits bekannt ist.

Vor dem Geldverdienen ist jedoch zu beachten, dass Schüler nicht jede gewünschte Arbeit ausüben dürfen. Damit nämlich keine gesundheitliche Überforderung der Jugendlichen auftritt, sind die Schutzvorschriften des Jugendschutzgesetzes einzuhalten.

 

Wer darf in den Ferien arbeiten?

Wer mindestens 15 Jahre alt ist, gilt nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz als Jugendlicher und darf arbeiten. Schüler, die der Vollzeitschulpflicht unterliegen, dürfen in den Schulferien maximal 4 Wochen, das heißt 20 Arbeitstage im Jahr, einer Beschäftigung nachgehen. Wie sie die Zeit auf das Jahr verteilen, ist ihnen überlassen. Es gilt grundsätzlich die 5-Tage-Woche.

Schüler, die jünger als 15, aber älter als 13 sind, dürfen arbeiten, wenn die Beschäftigung leicht und für Kinder geeignet ist. Diese Tätigkeit darf den Schulbesuch, sowie der Fähigkeit dem Unterricht zu folgen nicht nachteilig beeinflussen. Die Arbeitszeit darf nicht länger als zwei Stunden täglich betragen und darf nicht vor dem Schulunterricht ausgeübt werden.

Für Schüler, die 18 Jahre und älter sind, gibt es keine zeitlichen Beschränkungen.

 

Arbeitszeit

Die Arbeitszeit ist in der Regel auf 8 Stunden täglich und 5 Tage in der Woche begrenzt. Demnach bildet die 40-Stunden-Woche die Obergrenze.

Samstage, Sonntage und Feiertage müssen in der Regel arbeitsfrei bleiben. Ausnahmen gibt es jedoch beispielsweise für Gaststätten und Krankenhäuser. Zwei wöchentliche Ruhetage sollen jedoch nach Möglichkeit aufeinander folgen, mindestens zwei Sonntage im Monat müssen beschäftigungsfrei bleiben.

Jugendliche dürfen grundsätzlich nur zwischen 6.00 Uhr und 20.00 Uhr beschäftigt werden. Ausnahmeregelungen gibt es für Ferienjobs in landwirtschaftlichen Betrieben, Bäckereien, Konditoreien, Gaststätten und Beherbergungsbetrieben sowie in Betrieben mit Mehrschichtsystem. Hier gelten jedoch teilweise abweichende Altersregelungen.

Der Arbeitgeber muss seinen Ferienarbeitern ausreichende Pausen gewähren. Bei 4,5 bis 6 Stunden Arbeitszeit bedeut dies 30 Minuten Pause, bei 6 bis 8 Stunden Arbeitszeit 60 Minuten Pause.

Der Ferienarbeiter hat Anspruch auf einen bezahlten Erholungsurlaub, der altersabhängig gestaffelt ist.

 

Gefährliche Arbeiten sind verboten

Jugendliche dürfen nicht mit gefährlichen Arbeiten beschäftigt werden. So dürfen nur Arbeiten ausgeführt werden, die keine gesundheitlichen Gefahren beinhalten und die das Leis-tungsvermögen nicht übersteigen. Akkordarbeit oder Beschäftigungen, bei denen ein höhe-res Entgelt durch ein gesteigertes Arbeitstempo erzielt werden kann, sind genauso verboten wir Tätigkeiten, die mit starker Hitze, Kälte und Nässe oder Lärm, Strahlen und Erschütterungen einhergehen. Außerdem sind Jobs verboten, bei denen die Schüler mit giftigen, ätzenden und reizenden Stoffen sowie mit biologischen Arbeitsstoffen in Berührung kommen.

Beispielsweise sind daher nicht erlaubt Beschäftigungen an Sägen, Hobeln, Spalt-, Hack- und Fräsmaschinen oder Pressen, außerdem Schweißarbeiten, das Heben und Tragen von schweren Lasten, das Arbeiten in Kühl- und Nassräumen sowie die Beschäftigung in Einrichtungen, in denen eine erhöhte Infektionsgefahr besteht.


Unfallversicherung

Jugendliche, die einer Ferienarbeit nachgehen, sind automatisch über den Arbeitgeber versichert. Kommt es zu einem Arbeitsunfall, wird der Schaden über die gesetzliche Versicherung des Arbeitgebers reguliert.


Sozialversicherungspflicht und Lohnsteuer

Bei Ferienjobs fallen keine Sozialversicherungsbeiträge an. Wer einen Ferienjob antreten will, muss dem Arbeitgeber eine Lohnsteuerkarte vorlegen. Sie wird auf Antrag von der Gemeindeverwaltung des Hauptwohnsitzes ausgestellt. Der Arbeitgeber zieht am Ende der Beschäf-tigung die fällige Lohn- und Kirchensteuer sowie den Solidaritätszuschlag vom Verdienst ab. Der Schüler erhält danach seine Lohnsteuerkarte vom Arbeitgeber wieder. Er kann sich dann am Ende des Kalenderjahres über eine Einkommensteuerveranlagung die Steuer wieder erstatten lassen. Anträge hierfür gibt es beim zuständigen Finanzamt.

Was gilt bei einem Praktikum?

Erste Praktika kann man je nach Engagement und Interesse bereits während der Schulzeit absolvieren. Solch ein kurzes Orientierungs- oder Betriebspraktikum dient einer ersten beruflichen Orientierung und dem „Reinschnuppern" in die Anforderungen und Abläufe eines Berufs. Mittlerweile sehen viele Schulen ein ein- bis zweiwöchiges Pflichtpraktikum vor, das einen ersten Einblick in die Berufswelt vermitteln soll. Die Regelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes finden im Wesentlichen auch hier Anwendung. Ein Vergütungsanspruch des Praktikanten besteht hier nicht. Manche Arbeitgeber sind jedoch bereit eine Aufwandsvergütung oder eine Fahrtkostenentschädigung zu bezahlen. Der Schüler ist bei einem solchen Pflichtpraktikum nicht sozialversicherungspflichtig.

Hiervon zu unterscheiden sind Praktika, die Bestandteil eines Studiums oder einer Ausbildung oder die kein Pflichtpraktikum im Rahmen der Schulzeit sind. Hierfür gibt es abweichende Regelungen hinsichtlich der Sozialversicherungs- und Vergütungspflicht, die im Einzelfall überprüft werden müssen.


Susanne Kaiser
Rechtsanwältin in Wendelstein
www.rechtsanwalt-wendelstein.de
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