Familienrecht

Hochzeit für Fortgeschrittene - Der Ehevertrag

Rosenkrieg? Scheidung? Streit um Unterhalt? Dass es einmal soweit kommen kann, kann sich wohl kaum ein Paar vor der Hochzeit vorstellen. Die Statistiken zeigen jedoch einen drastischen Anstieg der Scheidungszahlen. Mittlerweile werden etwa 40% der Ehen wieder geschieden. Umso wichtiger ist es, dass sich Paare schon vor der Ehe Gedanken über ihre finanzielle und rechtliche Situation im Fall einer Trennung machen, selbst wenn dies nicht als besonders romantisch gilt. Denn wer heiratet, gibt auch einigen hundert Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuchs sein Jawort.

Der Gesetzgeber hatte bei der Ausgestaltung des Gesetzes im vergangenen Jahrhundert die klassische Hausfrauen-Ehe im Blick: Der Mann verdient, die Frau kümmert sich um Haushalt und Kinder. Erst Schule und Ausbildung, dann Mann und Kinder. Nicht mehr jede Frau sieht darin ihre Erfüllung. Das Verständnis von Partnerschaft und persönlicher Lebensplanung hat sich stark verändert. Eine wachsende Zahl von Frauen sucht Anerkennung im Beruf und will finanziell unabhängig sein.

Mittlerweile hat der Gesetzgeber allerdings Regeln geschaffen, die der berufstätigen Mutter zwar nicht unbedingt das Leben erleichtern, dafür aber das finanzielle Risiko der klassischen Hausfrau vergrößern. Frauen, die ihren Beruf aufgeben, um dem Ehemann den Rücken für seine Karriere freizuhalten und die Kinder großzuziehen, riskieren seit der Reform des Un-terhaltsrechts im Scheidungsfall den wirtschaftlichen Absturz. Wird nämlich die Berufstätigkeit für die Kindererziehung zurückgestellt, findet die Frau meistens keine Chance mehr dort wieder anzuknüpfen wo sie aufgehört hat. Diese muss nicht nur Gehaltseinbußen hinnehmen - oft kann sie nach einer Trennung im alten Beruf überhaupt nicht mehr Fuß fassen. Selbst wenn es ihr gelingt, wie vom Gesetzgeber gefordert, bereits mit dem dritten Lebensjahr des Kindes wieder Einkommen zu erzielen, reicht das Geld zumeist gerade zum Leben. An einen Vermögensaufbau beziehungsweise eine angemessene Alterssicherung ist gar nicht zu denken. Die Folge: statistisch betrachtet verdoppelt sich nach einer Scheidung das Armutsrisiko für Frauen. Bei Männern hingegen bleibt es gleich.

Wer heute Kinder erzieht oder dies plant, sollte über eine entsprechende Vereinbarung nachdenken. Durch einen Ehevertrag lassen sich die beruflichen Nachteile - und damit verbunden später auch die eigene Altersvorsorge - angemessen regeln und das zu einem Zeitpunkt, in dem es noch keine Konflikte gibt.

Lag es daher früher eher im Interesse des Ehemannes einen Ehevertrag abzuschließen und so seine Finanzen für den Fall der Scheidung abzusichern, sind es heute meist die Frauen, die durch die neuen gesetzlichen Unterhaltsregelungen gezwungen sind, die Konditionen anzupassen.

Sind beide Partner berufstätig oder gibt es große Vermögensunterschiede, lohnt es sich mit einem Ehevertrag eine individuelle Regelung zu finden. Und auch Selbständige und Unternehmer sollten unbedingt einen Ehevertrag abschließen. Sonst kann es im Scheidungsfall passieren, dass das Unternehmen liquidiert werden muss, damit dem Partner die ihm zustehende Hälfte des Firmenwertes ausgezahlt werden kann.

Der Ehevertrag sollte am besten vor der Hochzeit oder zu Beginn der Ehe abgeschlossen werden. Manch einer setzt dies mit Misstrauen in die Beziehung gleich. Im Grunde drückt jedoch eine derartige Regelung gegenseitige Wertschätzung sowie ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein gegenüber der gemeinsam getroffenen Entscheidung aus.

Ein Ehevertrag kann immer geändert und der jeweiligen Lebenssituation angepasst werden. Eine Abweichung von der gesetzlichen Regelung kann auch noch bis kurz vor der Scheidung vereinbart werden.

In der Regel wird in einem Ehevertrag festgehalten, wie das Paar im Falle einer Scheidung gestellt sein soll. Geklärt werden daher Unterhaltszahlungen im Scheidungsfall, Vermögensausgleich, die Rentenregelung sowie der Güterstand. Aber auch darüber hinaus können in einem Ehevertrag Dinge geregelt werden, die den Partnern sonst noch wichtig sind.

Mit dem Ehevertrag wird oft auch gleich ein Erbvertrag verbunden.

Vor der Ausgestaltung des Vertrages sollte man sich in jedem Fall umfassend von einem Anwalt beraten und den Vertrag dann notariell beurkunden lassen. Die Kosten hierfür orientieren sich an den im Ehevertrag genannten Beträgen. Das heißt grundsätzlich: je größer das Vermögen, je höher die Kosten. Anwälte sind jedoch in der Regel bereit für einen Ehevertrag ein Pauschal- oder ein Zeithonorar zu vereinbaren. Fragen Sie nach. Die Kosten stehen dann von vorneherein fest bzw. sind kalkulierbarer. Im Zweifel sind die für einen Ehevertrag anfallenden Kosten jedoch immer geringer als die im Streitfall anfallenden Kosten vor Gericht.


Susanne Kaiser
Rechtsanwältin in Wendelstein