Erbrecht

Mein letzter Wille

 

Jeder Mensch neigt zum Aufschieben unangenehmer Tätigkeiten - und die Beschäftigung mit der Endlichkeit des eigenen Lebens gehört für die meisten von uns dazu. Trotzdem - wer etwas zu vererben hat, sollte dies rechtzeitig planen und wenig dem Zufall überlassen. Gerade bei der Erstellung des Testaments passieren häufig zahlreiche Fehler, die viel Geld kosten und für Ärger sorgen können - mit Behörden, dem Finanzamt oder vor allem unter den Erben. Nach einer vom Deutschen Forum für Erbrecht in Auftrag gegebenen Umfrage hinterlassen nur ca. vier Prozent aller Bundesbürger Testamente, die einigermaßen aktuell und inhaltlich richtig sind.

Sinnvoll ist es, überhaupt erst einmal ein einfaches eigenhändiges Testament zu erstellen, das die wichtigsten Punkte anspricht. Besser als die gesetzlichen Regelungen sind selbst einfache Lösungen allemal. Sie können sich anschließend noch in Ruhe eine bessere Version überlegen oder sich entsprechend beraten lassen. Denn der größte aller Fehler, den Sie machen können ist, überhaupt kein Testament zu machen. Bei einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft oder dem Vorliegen mehrerer Kinder aus verschiedenen Ehen kann ein fehlendes Testament sogar geradezu verhängnisvoll sein.

 

Was ist bei der Testamentserstellung zu beachten?

Ein Testament muss komplett eigenhändig geschrieben sein. Versuchen Sie dabei, möglichst leserlich zu schreiben. Sie möchten schließlich, dass man auch erkennt, was Sie wirklich wollten. Auf der Schreibmaschine oder dem Computer Getipptes ist ungültig.

Es muss eindeutig aus dem Testament hervorgehen, wer was bekommen soll. Begünstigt sein können grundsätzlich auch mehrere Personen. Das Vermögen geht dann auf eine sog. Erbengemeinschaft über. Das muss zwar nicht, kann aber von Nachteil sein, wenn sich die Erben bei Entscheidungen nicht einig werden. Der Vorteil einer testamentarischen Regelung ist es gerade auch, solche Probleme von vornherein zu umgehen.

Am besten ist die Angabe der so genannten "Erbquote", also des Anteils, den der Erbe erhalten soll. Stellen Sie außerdem klar, wer für den Fall des vorzeitigen Ablebens Ihres Erben an seine Stelle treten soll. Sollen auch andere Personen außer Ihrem/Ihren Erben etwas erhalten, dann bestimmen Sie ausdrücklich, wer was erhalten soll. Ihr Erbe ist dann verpflichtet, diese sog. Vermächtnisse an die Bedachten herauszugeben. Bei den Vermächtnissen kann es sich um konkrete Gegenstände aber auch um Geldbeträge handeln.

Außerdem ist wichtig: Ort, Datum und eindeutig identifizierbare Unterschrift aus Vor- und Nachname(n). Dabei bedeutet Unterschrift im wahrsten Sinne des Wortes, dass sich Ihr Namenszug unter der letzten Zeile Ihrer Verfügungen befinden muss. Besteht ein Testament aus mehreren Blättern, so sollten idealerweise alle Blätter nummeriert und unterschrieben werden.

Ein Testament könnte daher zum Beispiel wie folgt aussehen:

Testament

Ich, Martina Schneider, geborene Reich, geboren am 14.06.1946 in Nürnberg, derzeit wohnhaft Goethestraße 11 in Wendelstein, bestimme als meinen letzten Willen Folgendes:

Ich setze meinen Mann Peter Schneider und meinen Sohn Martin Schneider jeweils zur Hälfte als Erben ein. Sollte einer meiner beiden Erben vor mir sterben, soll der jeweils andere alles erben. Sollten beide vor mir sterben, soll Martins Tochter, meine Enkelin Lisa Schneider, alles bekommen.

Meiner Schwester Corinna Reich vermache ich meine Perlenkette sowie einen Geldbetrag von 3.000 Euro.

Wendelstein, den 01.03.2015

Martina Schneider (Unterschrift)

 

Wie errichten wir ein Ehegattentestament?

Wenn ein Ehepaar ein gemeinsames Testament verfassen möchte - klassischer Fall hierfür ist das sogenannte Berliner Testament, bei dem die Ehegatten sich gegenseitig als Erben einsetzen -, muss einer der beiden dieses handschriftlich verfassen, der andere unterschreibt zusätzlich. Um spätere Missverständnisse zu vermeiden, sollte der Ehepartner seine Unterschrift mit Datum und Ort versehen und den Inhalt mit den Worten "Das ist auch mein letzter Wille" bestätigen. In einem Berliner Testament können Kinder auch mit einer „Strafklausel“ bedacht werden, wenn sie beim Versterben des ersten Elternteils vom überlebenden Elternteil den Pflichtteil fordern. Bei einem gemeinschaftlichen Testament ist zu entscheiden, ob der überlebende Ehegatte die gemeinsam getroffenen Verfügungen dann später noch abändern darf oder nicht.



Wo deponiere ich mein Testament?

Wichtig ist, dass das Schriftstück nach dem Tod auch wirklich gefunden wird. Deshalb sollte es bei einer vertrauenswürdigen Person oder, am allerbesten, gegen eine geringe Gebühr bei dem Amtsgericht hinterlegt werden, in dessen Bezirk sie Ihren Wohnsitz haben. Dort kann es nicht verloren gehen. Das Amtsgericht erfährt außerdem über Ihre Gemeindeverwaltung automatisch von Ihrem Ableben.

 

Kann ich mein Testament ändern?

Jederzeit. Sie sollten dann aber das vorherige Testament möglichst schnell vernichten und das neue wieder umgehend bei einer Person Ihres Vertrauens oder dem  Amtsgericht hinterlegen. So entstehen keine Missverständnisse. Grundsätzlich gilt immer das zeitlich zuletzt gefertigte Testament. Ein gemeinschaftliches Testament ist nur dann abänderbar, wenn beide Ehegatten noch leben bzw. wenn dem überlebenden Ehegatten das Recht eingeräumt wurde nach dem Versterben des ersten Ehegatten noch Änderungen vorzunehmen.


Die häufigsten Fehler, die man unbedingt vermeiden sollte, sind:

• maschinengeschriebene Wörter oder Sätze im Testament
• keine Datumsangabe
• mehrere Versionen eines Testaments liegen vor
• der Erblasser ist nicht deutlich erkennbar
• der letzte Wille ist widersprüchlich
• die Unterschrift fehlt

Für die Erstellung eines Testaments sind somit sicher einige Überlegungen im Vorfeld nötig, damit man nicht jemanden übergeht, dem man sich verpflichtet fühlt, und damit man Regelungen trifft, die Streit bei den Hinterbliebenen vermeiden. Bei schwierigeren Sachverhalten oder Regelungen wie Vor- und Nacherbschaft, gemeinschaftlichen Testamenten etc. sollten Sie unbedingt fachkundigen Rat einholen. Bei größeren Vermögen sollten Sie sich außerdem hinsichtlich der zu erwartenden Erbschaftssteuer beraten lassen. Hier sind oft Gestaltungsvarianten denkbar, die Ihren Erben Steuern ersparen.

 


Susanne Kaiser
Rechtsanwältin in Wendelstein