Forderungsbeitreibung

Aktives Forderungsmanagement - Außenstände konsequent beitreiben

 

 

Es wird immer mehr zu einer negativen Begleiterscheinung unserer Zeit, dass immer weniger Menschen freiwillig Ihre Schulden begleichen. Die Zahlungsmoral ist unverändert schlecht. Eine Studie des Bundesverbandes Deutscher Inkassounternehmen ergab, dass 20 Prozent der Kunden vorsätzlich spät zahlen. Häufig trauen sich Unternehmen nicht, rechtzeitig einen Anwalt einzuschalten, weil sie dann das Ende ihrer Geschäftsbeziehung befürchten. Ein aktives Forderungsmanagement sollte jedoch nie vernachlässigt werden. Andernfalls kann es passieren, dass eigene Verbindlichkeiten nicht beglichen werden können und im schlimmsten Fall sogar Insolvenz angemeldet werden muss, weil Kunden ihrerseits nicht zahlen. Hiervon sind leider oft kleine und mittlere Unternehmen betroffen. Es ist ratsam im Kampf gegen solche Zahlungsverweigerer anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, da der Weg von der ersten Mahnung bis zur endgültigen Beitreibung der Forderung mit einigen Hindernissen gespickt sein kann. Zur Vermeidung von taktischen Fehlern bzw. zur Optimierung der Forderungsbeitreibung ist folgendes ratsam:

 

 

Bringen Sie über Ihren Kunden soviel wie möglich in Erfahrung!

 

Sie haben einen entscheidenden Vorteil bei der Forderungsbeitreibung, wenn Sie von Anfang an genau wissen, wer Ihr Kunde ist. Bei Privatleuten sollte Ihnen daher in jedem Fall Name und Vorname sowie die vollständige Anschrift bekannt sein. Von Vorteil sind weitere Informationen, wie zum Beispiel der Arbeitgeber. Bei Firmenkunden ist es unerlässlich zu wissen, welche Rechtsform der Kunde hat. Ein Einzelunternehmer, der für Verbindlichkeiten nicht nur mit dem Firmenvermögen, sondern auch mit seinem Privatvermögen persönlich haftet, hat oft einen anderen wirtschaftlichen Wert als Kunde als eine GmbH. Bringen Sie in Erfahrung wer Geschäftsführer bzw. Inhaber der Firma ist. Je mehr Informationen Sie über Ihren Kunden haben, umso Erfolg versprechender ist die Beitreibung Ihrer Forderung.

 

Tipp: Die Gewährung eines Skontos von 2-3% bei Zahlung innerhalb von 8 Tagen nach Rechnungserhalt kann dazu beitragen den Rechnungsbetrag schneller zu erhalten. Bei notorischen Zahlungsverweigerern hilft die Gewährung von Skonto jedoch leider auch nicht.

 

 

Geben Sie in Ihren Rechnungen eine Zahlungsfrist an!

 

Der Schuldner kommt nach Ablauf einer in der Rechnung enthaltenen Zahlungsfrist automatisch in Verzug. Ab diesem Zeitpunkt verzinst sich auch der Rechnungsbetrag ohne dass hierauf extra hingewiesen werden muss. Häufig kommt es zwischen Schuldner und Gläubiger zu Streitigkeiten, ob der Schuldner eine Mahnung erhalten hat. Bei einigen Schuldnern ist es mittlerweile eine beliebte Taktik, zu behaupten, nie eine Mahnung erhalten zu haben. Da Sie als Gläubiger dafür beweispflichtig sind, dass sich der Schuldner in Verzug befindet, sollten Sie dieser Unsitte einen Riegel vorschieben. Auf den Erhalt einer Mahnung kommt es nämlich dann nicht an, wenn die Rechnung einen Zahlungszeitpunkt bestimmt. Nicht ausreichend ist hier aber zum Beispiel die Formulierung „zahlbar innerhalb von 14 Tagen nach Rechnungserhalt“. Stattdessen sollte die Rechnung deutlich den Hinweis enthalten: „zahlbar bis spätestens 16. Juli 2010“. Selbstverständlich ist hier jedes beliebige Datum einsetzbar. Als Zahlungsfrist sollte ein Zeitpunkt von 10-14 Tagen nach Rechnungsversand gewählt werden. Idealerweise sollte die Zahlungsfrist auf einen Wochentag fallen.

 

 

Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Zahlungseingänge!

 

Modernes Internetbanking macht es möglich. Rufen Sie möglichst täglich Ihre Kontostände ab und überprüfen Sie die Zahlungseingänge.

 

 

Warten Sie nicht zu lange mit der Zahlungserinnerung!

 

Eine Zahlungserinnerung und eine Mahnung haben rechtlich betrachtet dieselbe Wirkung. Beide Schreiben setzen den Schuldner in Verzug, sofern er dies nicht ohnehin schon ist, weil die Rechnung einen Zahlungszeitpunkt enthält. Nachdem Sie meistens nicht wissen können, ob der Schuldner vorsätzlich nicht zahlt oder die Rechnung einfach nur verlegt oder vergessen hat, sollten Sie in dem Anschreiben an den Kunden höflich an den Ausgleich der Rechnung erinnern. Hierbei ist eine persönliche, originelle Zahlungserinnerung oft erfolgreicher als ein standardisiertes Mahnschreiben. Häufig hilft es auch, bei dem Kunden telefonisch nachzufragen, was der Grund für sein Nichtzahlen ist. Die Zahlungserinnerung sollte etwa 5-10 Tage nach Ablauf der Zahlungsfrist erfolgen und erneut eine Zahlungsfrist enthalten, die ebenfalls nicht länger als 14 Tage sein sollte.

 

 

Machen Sie in einem Mahnschreiben Ihren Standpunkt deutlich!

 

Sollte nach Ablauf der in der Zahlungserinnerung enthaltenen Frist erneut keine Zahlung eingegangen sein, sollten Sie Ihren Anspruch auf Begleichung Ihrer Rechnung massiver deutlich machen. Senden Sie dem Kunden etwa 5-10 Tage nach Ablauf der letzten Zahlungsfrist ein als „Mahnung“ bezeichnetes Schreiben. Machen Sie deutlich, dass Sie Verzugszinsen beanspruchen. Diese betragen mindestens 8% über dem Basiszinssatz, gegenüber Verbrauchern mindestens 5% über dem Basiszinssatz. Sollten Sie Ihrerseits einen Kontokorrentkredit in Anspruch nehmen, können auch höhere Verzugszinsen als Schadensersatz gefordert werden. Für das Mahnschreiben kann eine Mahngebühr von 5-10 Euro verlangt werden. Auch die Mahnung sollte eine Zahlungsfrist von maximal 14 Tagen enthalten.

 

 

Eine zweite und dritte Mahnung ist nicht nötig!

 

Oft werde ich gefragt, wie viele Mahnungen notwendig sind. Sofern die Rechnung bereits eine Zahlungsfrist enthält, lautet die Antwort: Keine! Wichtig ist es nur, den Kunden in Verzug zu setzen. Dies ist er spätestens mit Erhalt der Zahlungserinnerung. Handelt es sich um eine langjährige gute Geschäftsbeziehung, ist es verständlich, dass hier eher die Bereitschaft besteht, auf die Begleichung der eigenen Rechnung länger zu warten. Dennoch sollte ein Unternehmen nie aus dem Blick verlieren, dass auch langjährige gute Kunden zu schlechten Zahlern werden können, wenn deren eigene wirtschaftliche Existenz gefährdet ist. Behalten Sie also die wirtschaftliche Situation Ihrer Kunden – sofern möglich – im Blick. Hier helfen unter Umständen Mitgliedschaften in Auskunfteien.

 

Grundsätzlich ist also eine zweite und dritte Mahnung nicht nötig. Häufig wird durch zu langes Warten und zu häufiges Mahnen zu viel Zeit verloren.

 

 

Wenn der Schuldner auch nach mehrfachem Mahnen nicht zahlt

 

Zahlt der Schuldner auch nach wie vor nicht, sollte ein gerichtlicher Mahnbescheid beantragt werden. Dies ist zum Beispiel im Internet über den Link http://www.online-mahnantrag.de möglich. In den Vordruck sind die exakten Daten des Gläubigers und des Schuldners sowie die Forderungshöhe, angefallene Verzugszinsen und vorgerichtliche Mahnkosten einzutragen. Sie erhalten dann vom Mahngericht eine Rechnung über die einzuzahlenden Gerichtskosten, deren Höhe sich an der Höhe Ihrer Forderung, dem so genannten Gegenstandswert, orientiert. Der Mahnbescheid wird nach Überweisung der Gerichtskosten vom Gericht dem Schuldner zugestellt. Dieser erhält eine Frist von zwei Wochen, um gegen den Mahnbescheid Widerspruch einzulegen.

 

Legt der Schuldner keinen Widerspruch ein, erhalten Sie vom Mahngericht nach Ablauf der Frist einen Vordruck zum Beantragen des Vollstreckungsbescheids. Mit Hilfe des Vollstreckungsbescheids kann dann anschließend die Zwangsvollstreckung gegen den Schuldner beantragt werden.

 

Legt der Schuldner Widerspruch ein, müssen Sie vor dem Zivilgericht die Durchsetzung Ihres Anspruchs fortsetzen.

 

Werden beim Beantragen des Mahnbescheids Fehler gemacht, die einem juristischen Laien leicht unterlaufen, werden Zeit und Geld verloren. Sie sollten sich daher nicht scheuen für die Beantragung eines Mahnbescheids anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Anwalt wird in der Regel einen Mahnbescheid auch schneller erwirken können, da die Gerichtskosten gleich vom Kanzleikonto abgebucht werden. Die anfallenden Gerichtskosten und Anwaltsgebühren hat der Schuldner dem Gläubiger als Verzugsschaden zu erstatten und werden vom Anwalt gleich in den Mahnbescheidsantrag mit aufgenommen.

 

 

Ihnen wird als Schuldner ein Mahnbescheid zugestellt

 

Erhalten Schuldner einen Mahnbescheid zugestellt, so machen diese aus Unwissenheit häufig Fehler, die die bereits angefallenen Kosten unnötig in die Höhe treiben.

 

Ist die Forderung unberechtigt, sollten Sie auf jeden Fall anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen. Die meisten Privatpersonen sind mit dieser Situation nämlich verständlicherweise schlichtweg überfordert. Der Anwalt wird gegen den Mahnbescheid Widerspruch einlegen. Es ist dann Sache des Gläubigers, die Forderung vor Gericht weiter zu verfolgen. Sofern die Forderung unberechtigt ist oder gegen die Forderung berechtigte Einwendungen bestehen, sollte sich der Schuldner in jedem Fall zur Wehr setzen. Ist gegen ihn nämlich erst einmal ein rechtskräftiger Vollstreckungstitel ergangen, kann hiergegen kein Rechtsmittel mehr eingelegt werden, auch wenn der Titel zu Unrecht ergangen und damit falsch ist.

 

Ist die Forderung jedoch berechtigt, schulden Sie also in jedem Fall die Bezahlung der Rechnung, sollten Sie als Schuldner zwei Reaktionen in jedem Fall vermeiden:

 

Stecken Sie nicht den Kopf in den Sand!

Setzen Sie sich vielmehr nach Erhalt eines Mahnbescheids sofort mit dem Gläubiger bzw. dessen Anwalt in Verbindung und erklären Sie, aus welchem Grund Sie zur Zeit nicht bezahlen können. Bieten Sie an, die Rechnung in Teilbeträgen zu bezahlen. Versuchen Sie, realistisch einzuschätzen, welche monatlichen Raten von Ihnen bezahlt werden können. Die meisten Firmen sind gerne bereit Teilzahlungsmöglichkeiten zu gewähren. Je früher Sie hier reagieren, desto weniger Kosten fallen für Sie an.

 

Legen Sie nicht Widerspruch gegen den Mahnbescheid ein!

Sie zwingen damit den Gläubiger in das so genannte streitige Verfahren vor Gericht. Hierfür fallen erneut Kosten an, die von Ihnen als Schuldner letztlich zu tragen sind.

 

 

Was passiert bei der Zwangsvollstreckung?

 

Liegt Ihnen als Gläubiger ein so genannter Vollstreckungstitel vor, d.h. ein Vollstreckungsbescheid oder ein Urteil eines Zivilgerichts, können Sie diesen dem zuständigen Gerichtsvollzieher zur Beitreibung der Forderung übergeben. Sollte der Schuldner an den Gerichtsvollzieher nicht zahlen können, bestimmt dieser einen Termin zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung. Der Schuldner ist dann verpflichtet, ein wahrheitsgemäßes Vermögensverzeichnis auszufüllen, das dem Gläubiger unter Umständen weitere Vollstreckungsmöglichkeiten eröffnet. So sind dann zum Beispiel bei Privatleuten Lohnpfändungen, Rentenpfändungen, Pfändungen von Versicherungsleistungen und dgl. möglich, bei Firmenkunden auch die Pfändung von etwaigen Steuererstattungsansprüchen oder die Pfändung von offenen Forderungen gegenüber deren Kunden.

 

 

Welche Kosten fallen an?

 

Die Tätigkeit des Rechtsanwaltes wird durch gesetzlich festgelegte Gebühren entgolten. Die Höhe der Gebühren richtet sich nach der Höhe des Forderungsbetrags, der von Ihrem Schuldner eingetrieben werden soll. Die Gebühren werden dem Schuldner mit dem vom Gericht erlassenen Mahnbescheid in Rechnung gestellt. Die gesamten Rechtsanwaltsgebühren hat der Schuldner zu begleichen, vorausgesetzt, Ihre Forderung ist berechtigt, der Schuldner befindet sich bereits im Zahlungsverzug und ist nicht zahlungsunfähig. Das bedeutet, auf Sie kommen in diesem Fall keine Rechtsanwaltskosten zu.

Ist Ihre Forderung unberechtigt und wird dies gerichtlich festgestellt oder stellen Sie die Eintreibung Ihrer Forderung ein, ohne dass der Schuldner gezahlt hat, müssen Sie die Rechtsanwaltskosten begleichen. Ist der Schuldner zahlungsunfähig, müssen Sie zunächst die Kosten für den Rechtsanwalt bezahlen. Sie können sich jedoch diese Kosten nebst Zinsen innerhalb von 30 Jahren von dem Schuldner, wenn dieser wieder zahlungsfähig geworden ist, zurückholen.