Ab 1. August 2015 ist mehr Kindesunterhalt zu zahlen !


Seit 2010 sind die Sätze für den Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle nicht mehr erhöht worden. Für die Kinder gab es drei Nullrunden; stattdessen ist in den letzten Jahren nur der Selbstbehalt der Unterhaltspflichtigen gestiegen, was in vielen Fällen den Unterhaltsanspruch der Kinder sogar reduziert hat. Nun können Alleinerziehende ein wenig aufatmen. Die langersehnte und von der Bundesregierung seit langem angekündigte Erhöhung der Kindesunterhaltssätze hat nun endlich zum 1.8.2015 stattgefunden. Je nach Gehaltsgruppe sind 10-20 € im Monat mehr zu zahlen. Lediglich der Bedarfsbetrag für Studenten von 670 € pro Monat wird vermutlich erst zum 1.1.2016 angepasst werden.

Für Alleinerziehende bedeutet dies, dass der unterhaltspflichtige Elternteil umgehend zur Zahlung des erhöhen Betrages aufzufordern ist, damit ab Beginn des jeweiligen Monats auch der erhöhte Unterhalt zu zahlen ist. Rückwirkend, also für vorangegangene Monate, kann der erhöhte Unterhalt nämlich nicht geltend gemacht werden.

Liegen bereits Unterhaltstitel vor, also Gerichtsurteile oder vor dem Jugendamt errichtete Unterhaltsurkunden, die einen Prozentsatz beinhalten und aus denen sofort vollstreckt werden kann, so ist nichts zu tun. Der Unterhaltspflichtige hat dann automatisch ab 1.8.2015 den erhöhten Unterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle zu zahlen und kommt auch in Verzug, wenn er dies nicht tut. Der Unterhaltsberechtigte kann dann notfalls hinsichtlich des Differenzbetrages sofort die Zwangsvollstreckung beantragen, zum Beispiel über eine Gehaltspfändung.

Gibt es noch keinen Unterhaltstitel, sollte der Unterhaltspflichtige also sofort angeschrieben werden, dass der erhöhte Unterhaltsbeitrag zu zahlen ist. Sofern schon länger keine Überprüfung der Einkommenssituation des unterhaltspflichtigen Elternteils mehr stattgefunden hat, sollte die Gelegenheit gleich genutzt werden den Unterhaltspflichtigen aufzufordern die Verdienstbescheinigungen der letzten zwölf Monate sowie den letzten Steuerbescheid vorzulegen, um gegebenfalls eine komplette Nebenrechnung des Unterhaltsanspruchs über den Anwalt durchführen zu lassen. Hierfür wird in der Regel von den Gerichten ein Beratungshilfeschein ausgestellt, so dass der alleinerziehende Elternteil nicht mit Anwaltskosten belastet wird. Alleinerziehende sind selten Großverdiener. Sollte dann sogar eine gerichtliche Klärung erforderlich sein, wird daher in vielen Fällen auch Verfahrenskostenhilfe bewilligt.

Susanne Kaiser
Rechtsanwältin in Wendelstein

 

Die neue Düsseldorfer Tabelle für das 1. und 2. Kind ab 1. August 2015 nach Abzug des hälftigen Kindergeldes

1. und 2. Kind

Alterstufen

 Prozentsatz 

 Nettoeinkommen

0 - 5

6 - 11

12 - 17

ab 18

 

bis 1.500

236

284

348

320

100

1.501 - 1.900

253

303

370

346

105

1.901 -2.300

269

322

392

371

110

2.301 - 2.700

286

341

414

396

115

2.701 - 3.100

302

360

436

421

120

3.101 - 3.500

328

390

472

462

128

 3.501 - 3.900

355

420

507

502

136

 3.901 - 4.300

381

450

542

542

144

 4.301 - 4.700

407

480

577

583

152

 4.701 - 5.100

433

510

612

623

160

 Quelle: Oberlandesgericht Düsseldorf